In der Photographie arbeiten wir mit Licht. Licht (und Schatten) sind neben dem Bildausschnitt die zentralen Elemente unserer Bildkomposition, und helfen, das Auge des Betrachters zu führen.

Was haben wir gelernt?

Die Grundlagen der Belichtung haben uns gezeigt, welche Parameter der Kamera wie gesetzt werden müssen, um ein Motiv gemäß unserer Vorstellung in Szene zu setzen. Über die Blende bestimmen wir, welche Bereiche unseres Fotos scharf abgebildet werden, die Belichtungszeit hilft uns, Schärfe und Bewegungsdynamik zu bestimmen und die Einstellung der Lichtempfindlichkeit unterstützt uns, die angestrebten Werte gemäß der vorhandenen Lichtmenge verwenden zu können.

Gibt es „die“ richtige Belichtung?

Sicher wird an unseren Photos Kritik geübt werden, darüber sollte man sich völlig im Klaren sein. Neben Bemängelung der Schärfe wird auch häufig kritisiert, daß das Photo nicht korrekt belichtet sei. Dazu läßt sich nur eins sagen: „Die“ richtige Belichtung gibt es nicht, und wir schliessen jetzt einmal die Beispiele aus, bei denen das Foto im Schwarz abgesoffen oder zu weiß ausgefressen ist, so daß man vom Motiv kaum etwas erkennt.

Die Belichtung unterstützt die Bildaussage zu einer bestimmten Stimmung, und Stimmungen sind individuell. Auch verhilft die Belichtung zu einem Bildstil, und der Bildstil eines Photographen ist das, was in von anderen Photographen unterscheidet.

Ich habe dies Motiv so photographiert, ein anderer hätte es anders photographiert, richtige Belichtungen gibt es somit viele.

Lohnt sich der Blick auf das Histogramm?

Kurze Antwort: Nein. Das Histogramm zeigt lediglich die statistische Verteilung der Farben über das Bild, d.h. alles Pixel eines bestimmten Farbwertes werden gezählt. Kurzer Test: Legt einen Bogen schwarzen und weißen Karton nebeneinander, macht ein Foto davon und seht euch das Histogramm an. Das Histogramm sollte am linken und am rechten Rand zwei gleichhohe Balken haben, dazwischen (je nach Licht) geringe bis gar keine kleine Balken. Informationsgehalt: In diesem Foto ist viel weiß und viel schwarz, und somit fast null, denn über die Belichtung sagt uns dies nichts.

Dennoch gibt es Leute, die anhand des Histogramms etwas über die korrekte Belichtung eines Fotos aussagen wollen, laßt euch davon nicht verwirren. Ein Foto mit einem „schönen“ Histogramm, also alles ganz toll verteilt über das Histogramm, daß sich am linken und rechten Rand idealerweise gegen 0 verflacht sind vielleicht technisch perfekt, aber meist auch sehr langweilig.

Der Mythos des Belichtungsdreiecks

Häufig fällt auch der Begriff des Belichtungsdreiecks. Dieser Begriff ist zu Zeiten der Digitalen Photographie nicht mehr gültig und müsste eher durch ein Belichtungstetraeder ersetzt werden, was aber meist unsere Vorstellungskraft übersteigt.

In der analogen Photographie ist man durch die Wahl des Films auf eine bestimmte Lichtempfindlichkeit festgelegt, die man nicht so einfach von Foto zu Foto wechseln kann, denn dann müsste man immer den Film wechseln. So haben bei Photographie auf Film die Photographen meist mehrere Kameragehäuse dabei, in denen verschiedene Filme eingelegt sind.

Habe ich also eine feste Filmempfindlichkeit, und bei Blende 8 eine Belichtungszeit von 1/250 Sekunde eingemessen, so müsste ich bei Wahl von Blende 7,1 mit 1/320 Sekunde fotografieren, um den gewünschten Belichtungswert zu erreichen, bei Blende 9,5 mit 1/200 Sekunde, usw. Stellt man dies grafisch dar, so liegen die „idealen“ Belichtungspunkte alle auf einer Linie, und verbunden mit den Zeitachsen ergibt sich so das Belichtungsdreieck.

Der Filmhersteller gibt für seinen Film auf der Verpackung meist ideale Belichtungsparameter an, über das Belichtungsdreieck lassen sich so für andere Werte die abhängigen Parameter schnell errechnen.

Kommt nun noch die Lichtempfindlichkeit als 3. Parameter hinzu, so müsste diese auf der z-Achse angegeben werden, damit verteilen sich jedoch auch die idealen Belichtungspunkte im Raum, und dieses entstehende Lichttetraeder läßt sich nicht mehr so leicht im Kopf berechnen.